Jörg Maurers siebter Alpenkrimi: „Der Tod greift nicht daneben“

Längere Zeit machte ich als Krimi-Fan einen großen Bogen um Bücher, die man mit Untertiteln wie „Eifel-Krimi“, „Allgäu-Krimi“ undsoweiter versah, obwohl ich sie eine Zeit lang recht gern las bis … naja, dazu später mehr. Nun habe ich jedenfalls ein sehr unterhaltsames Wochenende mit Jörg Maurers „Der Tod greift nicht daneben“ verbracht und muss sagen: Ich werde einen Krimi in Zukunft nicht mehr einfach zur Seite legen, nur weil „Alpenkrimi“ draufsteht.der_tod_greift_nicht_daneben

Zur Handlung des siebten Falls von Maurers Ermittler Jennerwein verrät der Klappentext (und mehr möchte auch ich hier fairerweise nicht verraten): Es geht um Wissenschaftler, Brauchtumsforscher, ein Nobelpreis-Jurymitglied in einem Gartenhäcksler, ein gruseliges Forschungsprojekt … Das verspricht ja eigentlich eine interessante Handlung, hört sich irgendwie schon leicht grotesk an, und deshalb habe ich das gut vierhundert Seiten starke Werk auch aufgeschlagen, obwohl ich von Klappentext-Versprechen gerade bei so genannten Regionalkrimis früher oft enttäuscht wurde. Diesmal nicht. Es war vielleicht keine literarische Offenbarung, aber der über weite Strecken charmant-ironische Stil Maurers führt flüssig durch die Handlung und sorgt, wie gesagt, für überaus gute Unterhaltung.

Auch im Kreise meines „literarischen Stammtisches“ habe ich diese positive Einschätzung von „Der Tod greift nicht daneben“ kundgetan. Man blieb jedoch skeptisch. Das Regionalkrimi-Genre hat sich in den letzten Jahren einfach einen zu schlechten Ruf zugelegt. So schlecht, dass sogar seine wichtigsten Autoren (wie Alfred Komarek oder Wolf Haas) sich mehr oder weniger vehement gegen die Regionalkrimi-Schublade wehren.

Schuld sind nicht zuletzt einige Verlage. Spätestens durch den Erfolg von Jacques Berndorfs Eifel-Krimis wurde den Verantwortlichen klar, dass Lokalkolorit im Kriminalroman verkaufsfördernd wirken kann. Also kaufte man alles ein, was man irgendwie mit dem Regio-Label vermarkten konnte: „Inzwischen wird in fast jedem Provinznest mit Begeisterung gemordet und ermittelt. Je piefiger das Kaff, desto wahnwitziger die fiktiven Morde. Von den exzentrischen Ermittlern gar nicht erst zu reden“, schrieb Joachim Feldmann in der „Welt“. Und weiter: „So dürfte die fiktive Mordstatistik im westfälischen Münster, wo schätzungsweise ein halbes Dutzend Ermittler einander auf die Füße treten, inzwischen New Yorker Ausmaße erreicht haben.“

Schlimmer noch: Teilweise wurden 08/15-Krimis aus den 1950er- und 1960er-Jahren, nur leicht über Groschenroman-Niveau und manchmal nicht mal das, ausgegraben und mit einem regionalen Untertitel versehen. Wieder ein paar „Köln-Krimis“ oder „Berlin-Krimis“ mehr. Kein Wunder, dass selbst Krimi-Vielleser sich irgendwann automatisch abwandten, wenn sie solche Untertitel sahen, egal, wie verzweifelt sie nach Lesefutter-Nachschub suchten. Auch bei mir war das der Grund, warum ich das Genre einige Zeit mied.

Bleibt zu hoffen, dass die Regionalkrimi-Flut etwas zurückgeht und die Verlage dann jene Autoren fördern, die mit Lokalkolorit nicht nur zu dünne Handlungen oder mangelndes Talent übertünchen wollen. Jörg Maurer zum Beispiel darf von mir aus seinen Jennerwein gern auch ein achtes Mal ermitteln lassen.

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