Kindesmisshandlung

Deutschland misshandelt seine Kinder

Ein plakativer Titel. Ist er berechtigt? Immerhin behauptet das Buch schon auf dem Umschlag, pro Jahr würden in Deutschland mehr als 200.000 Kinder Opfer von Gewalt durch Erwachsene. Die beiden Autoren müssen es wissen. Michael Tsokos leitet seit 2007 das Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin, Saskia Guddat ist dort Fachärztin. Beide sind Tag für Tag mit Fällen von Missbrauch konfrontiert.

Ein leidenschaftlicher Appell

KindesmisshandlungNicht erst seit den Missbrauchsskandalen in kirchlichen oder staatlichen Einrichtungen berichten die Medien von unzähligen Fällen, in denen das deutsche Kinderschutzsystem versagt. Die Schwächsten unserer Gesellschaft finden endlich nach und nach eine Lobby, die wachzurütteln versucht. Eine Lobby, die sich für verbindliche Qualitätsstandards in der Familienpflege einsetzt, die Familienrichter besser ausbilden will, die Fachärzte schulen will, Kindesmisshandlungen besser von häuslichen Unfällen unterscheiden zu können …

Das Buch Deutschland misshandelt seine Kinder ist ein leidenschaftlicher Appell an die Politik, Eltern mehr Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen – materieller und immaterieller Art, um ihnen Wege aus Krisen zu zeigen. Vor allem müsse eine kinderärztliche Reaktionspflicht gesetzlich festgeschrieben werden. Bei Verdacht auf Kindesmisshandlungen müsse zwingend vorgeschrieben werden, das Kind in einer Kinderschutzambulanz oder in der Rechtsmedizin zu untersuchen, um den Verdacht zu klären.

Missbrauchsschutz geht uns alle an

Die gesellschaftlichen Bedingungen für Familien in Deutschland haben sich in den letzten Jahren verändert. Darauf muss auch das System des deutschen Kinderschutzes neue Antworten finden. Ein erster Schritt dazu wäre das Eingeständnis von Unzulänglichkeiten im System. Bei 200.000 Missbrauchsfällen pro Jahr in Deutschland kann nicht mehr von Einzelfällen gesprochen werden. Und die polizeiliche Kriminalitätsstatistik beweist: 108 Kinder erlagen allein 2014 ihren Misshandlungen.

Das Buch Deutschland missbraucht seine Kinder gehört nicht nur in die Amtsstuben der Familien- und Kinderpflege, sondern in die schnell greifbare Handbibliothek von Lehrern, Ärzten, Kita-MitarbeiterInnen, Beschäftigten von freien Trägern des Kinder- und Jugendschutzes, Rettungssanitätern, Polizisten … Aber auch Sie und ich können etwas gegen Kindesmissbrauch tun, etwa Eltern in der Nachbarschaft mit dem eigenen Verdacht konfrontieren, damit drohen, das Jugendamt zu informieren, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, was anonym möglich ist. Die Missbrauchstaten dürfen nicht im Dunkeln bleiben.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Deutschland missbraucht seine Kinder!

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