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Initiative Fairer Buchmarkt: ein Warnsignal

fairer buchmarktSeit August 2014 ist die Initiative Fairer Buchmarkt aktiv. Der Name impliziert, es gäbe einen unfairen Buchmarkt. Und in der Tat: Die acht deutschen Autorenverbände, die sich zur Initiative zusammenschlossen, glauben das. Im Zielfernrohr der 2000 Autoren der Verbände ist Amazon und seine Bücherpolitik. 2000 Autoren wollen Amazon nicht mehr gewähren lassen und schrieben einen Offenen Brief an den Big Boss von Amazon, Jeff Bezos, und seinen deutschen Stellvertreter Ralf Kleber. Ausgelöst wurde dieser Offene Brief durch den Streit Amazons mit den Buchverlagen von Hachette und Bonnier. Weil die beiden Buchverlage nicht gewillt waren, den Forderungen von Amazon nach höheren Rabatten nachzukommen, stellte Amazon die Bücher von etwa 1500 deutschen Autoren auf „nicht lieferbar“ – über Monate. Monate, in denen die betroffenen Autoren weniger verdienten und für den Druck Amazons auf die Verlage benutzt wurden. Hunderte von Autoren in Geisel- oder Sippenhaft, boykottiert von Amazon, um mehr aus den Verlagen herauszupressen.

Damit hatte Amazon den Rubikon überschritten. Die Autoren schlossen sich gegen den amerikanischen Online-Giganten, der hierzulande auch auf dem Gebiet der Steuerzahlungen und des Umgangs mit seinen Beschäftigten in Verruf kam, zusammen. In ihrem Offenen Brief kritisierten sie darüber hinaus, dass Bonnier- und Hachette-Autoren nicht mehr in den Empfehlungslisten von Amazon vorkamen. Damit werde offen, dass Amazon nicht mehr für eine ehrliche Buchkultur stehe. In weiteren Stellungnahmen sieht die Initiative Fairer Buchmarkt durch Amazon die Vielfalt des Buchmarkts bedroht. Amazon wolle vor allem im E-Buch-Bereich seine Monopolstellung ausbauen. Mit dem Offenen Brief lösten die deutschen Autoren eine Welle gegen Amazon aus. Autorinnenverbände aus vielen anderen Ländern schlossen sich den Vorwürfen gegen Amazon an.

fairer buchmarktAber die Initiative Fairer Buchmarkt will keine Eintagsfliege sein. Deshalb geht sie gegen weitere in ihren Augen unfaire Bedingungen auf dem Buchmarkt an. Lese-Flatrates z. B. sind Fallstricke für Autoren und bedeuten den Ausverkauf der Literatur sowie das Unterlaufen der Buchpreisbindung. Viele Regelungen im Vertragsrecht, Urheberrecht oder dem Lizenzrecht seien nicht autorenfreundlich, die E-Book-Piraterie gehöre mit den Mitteln des Rechts schärfer bekämpft. Damit das Schreiben von Büchern auch in Zukunft ein Beruf bleibt, von dem gelebt werden kann. Die Autoren weigern sich billiges Futter für die Hersteller von Lesegeräten herzustellen und wenden sich gegen beleidigend niedrige Honorare für ihre Arbeit.

Dass mit der Initiative Fairer Buchmarkt zu rechnen ist, belegt sie gerade mit der „Aktion Lieblingsbuch“, die sie für den unabhängigen Buchhandel ausdachte. In Hunderten von deutschen Buchhandlungen stellen Autorinnen handsignierte Werke zum Verkauf zur Verfügung. Und eine weitere Aktion für die Frankfurter Buchmesse 2015 ist schon in der Mache. Ich drücke den Autoren von ganzem Herzen den Daumen, dass sie einen langen Atem besitzen. Man kann zwar der Meinung sein, dass im Buchmarkt alles fair zugeht, aber dass Schriftsteller, die bisher von ihrer Arbeit leben konnten, von international agierenden Online-Giganten mit Cent-Beträgen abgespeist werden sollen, das ist ein Verbrechen gegen die Kultur unseres Landes. Bei der Herstellung eines Produkts muss jeder Beteiligte auskömmlich leben können. Oder wollen Sie nicht auch für Ihre Arbeit gut entlohnt werden?

Links dazu:

Initiative Fairer Buchmarkt

Aktion Lieblingsbuch

 

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