ein bild von dir

Jojo Moyes: Ein Bild von dir

Das deutsche Cover des Buchs Ein Bild von dir zeigt als eine Art farbigen Scherenschnitt eine Briefleserin vor den Feldern und Gebäuden eines französischen Ortes mit Dorfkirche. Schon von außen berührt „Ein Bild von dir“ mit seinem Motiv und seinen Farben. Der Rowohlt Verlag versteht es gekonnt, seine Erfolgsautorin Jojo Moyes in Szene zu setzen. Praktisch alle bisherigen deutschen Buchcover zu den Titeln der in London geborenen britischen Journalistin und Schriftstellerin sind ähnlich gestaltet: Der untere Teil des Buchcovers zeigt auf einem starken farbigen Hintergrund den Autorinnennamen Jojo Moyes. Darüber hebt sich auf einem eierschalen-farbigen hellen Hintergrund der Titel des jeweiligen Buches ab. Meist mit einer kleineren Schrifttype als der Name der Autorin unten. Das zeigt, die Bücher von Jojo Moyes verkaufen sich über ihren Namen.

Die Marke Jojo Moyes

Jojo Moyes ist eine Marke geworden. Da weiß die Leserin oder der Leser, was er bekommt. Viele Literaturkritiker ordnen Moyes in das Genre Chick lit (auch Chick-Lit geschrieben) ein. Die Bezeichnung aus dem Amerikanischen könnte man mit „Tussi-Literatur“ übersetzen. Gemeint ist anspruchslose Frauenliteratur, die sich an junge Frauen wendet und um weibliche Hauptpersonen dreht, die der Mittel- oder Oberschicht entstammen und konsumorientiert sind. Gegen eine solche Einordnung ihrer Werke wehrt sich Jojo Moyes mit aller Macht. Mit Recht, denn sie hat mit ihren früheren Bestsellern einen anderen Frauentyp als Hauptperson in die Frauenliteratur eingeführt, einen Frauentyp, mit dem sich viele Frauen identifizieren können: Die Frauen von Moyes leben nicht in der Großstadt, sind keine Akademikerinnen, mussten immer Geld verdienen, um als Alleinerziehende oder Familienmutter ihre Angehörigen über Wasser halten zu können. Die Frauenbücher von Jojo Moyes sind überzeugend, weil hier Antiheldinnen agieren, keine erfolgreichen Karrierezicken mit Luxusproblemen wie die Suche nach dem Mr. Right. Auch die typische Frauenromantik fehlt, denn Jojo Moyes konstruiert ihre Romane komplizierter und das klischeehafte Happy End muss nicht sein.

Ein Bild von dir ist keine Chick Lit

Ein Bild von dirBeleg dafür ist neben früheren Büchern auch Ein Bild von dir. Zum einen hat „Ein Bild von dir“ mit dem Buch Die Tage in Paris eine Vorgeschichte, die man aber nicht lesen muss, um „Ein Bild von dir“ zu verstehen. In „Ein Bild von dir wird“ das Schicksal von zwei Paaren, die durch ein Jahrhundert getrennt sind, in den Mittelpunkt gestellt. Verknüpft sind die Begegnungen und Wendungen, die das Leben aus der Bahn werden, so dass Menschen für ihre Liebe alles geben müssen, durch ein Gemälde. Auf dieses Gemälde geht der Buchtitel zurück. Édouard Lefèvre malte es vor dem Ersten Weltkrieg von seiner Frau Sophie. Während ihr Mann auf französischer Seite gegen die Deutschen kämpft, besetzten die die französische Provinz, wo Sophie den Familiengasthof weiter betreibt und gezwungen ist deutsche Offiziere zu bewirten. Als ein neuer Kommandant das Gemälde von Sophie sieht, treibt alles auf eine schicksalhafte und furchtbare Entscheidung zu. Ein Jahrhundert später hängt das Lefèvre-Gemälde im Schlafzimmer von Liv Halston. Weil es ein Geschenk ihres vor Jahren viel zu früh gestorbenen Mannes ist, hängt Liv mit jeder Faser an dem Bild. Doch dann soll ihr dieses Gemälde genommen werden.

Starke Frauen auch in Ein Bild von dir

Starke Frauen brechen bei Jojo Moyes durchaus einmal zusammen. Und wenn nicht, machen sie zumindest starke Entwicklungen im Crashkurs des Lebens durch. Vor allem alleinerziehende Mütter zeigen einen starken Überlebenswillen. Jojo Moyes will mit ihren Büchern dafür sorgen, dass die weibliche Heldenhaftigkeit im Alltag endlich anerkannt wird. Denn sie sieht sich als Feministin und will über vorbildliche Alltagsfrauen schreiben, die sich nicht nur um einen Lover oder ihr Aussehen Gedanken machen. Wichtiger ist ihr, was Frauen aus ihrem Leben machen (können). Dass Moyes mit ihren Intentionen Bestseller produziert, tröstet sie über Kritiker hinweg, die sie in die Frauenschmöker-Ecke schieben. Sie weiß, dass sie mit ihren Büchern junge Frauen ermutigt, ihrem Leben positive Wendungen zu geben. Und Themen wie Prekariat, Selbstmord oder Behinderung, die in den Bestsellern von Moyes zur Sprache kommen, finden sich in Chick Lit an keiner Stelle.

In der Buchwelt gab es schon mehrere Artikel zu Jojo Moyes. Die Buchwelt wird den Weg der Britin weiter verfolgen. Und hier erfahren Sie mehr zu dem Buch Ein Bild von dir!

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