Das Mädchen, das verstummte

Das Mädchen, das verstummte von Hjorth/Rosenfeldt

Angesichts des Erfolgs von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt mit „Das Mädchen, das verstummte“, frage ich mich, warum wir Deutsche Krimis so lieben. Ist unser Leben so langweilig, dass wir die Erregung durch Thriller brauchen, um uns wenigstens beim Lesen lebendig zu fühlen? Oder sind die Bücher von Hjorth/Rosenfeldt einfach so gut, dass LeserInnen süchtig nach ihnen werden? Laut veröffentlichendem Wunderlich Verlag sollen zum Start etwa 100.000 Exemplare erschienen sein. Wahrscheinlich muss man sich jetzt nach ein paar Tagen schon sputen, noch ein Exemplar der Erstauflage zu bekommen. Die Fans von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt schlugen schon gehörig zu.

Wieder, wie schon in den Thrillern zuvor, ist der Kriminalpsychologe Sebastian Bergmann am Ermitteln. Die zehnjährige Nicole überlebte das Massaker an einer Familie und konnte sich im Wald verstecken. Doch der Täter ist ihr auf den Fersen und will verhindern, dass sie erzählt, was sie weiß. Die Frage ist: Wer findet das Kind zuerst, der Mörder oder die Polizei? Die Spannung lässt nicht nach, auch wenn es der Polizei gelingt, das Mädchen zu finden und erst einmal in Sicherheit zu bringen. Denn wegen des Traumas leidet Nicole an Mutismus, einer Kommunikationsstörung, und die Polizei kommt nicht weiter, weil das Mädchen verstummt ist. Gewissenlose Journalisten sorgen nun durch ihre Veröffentlichungen erneut für Lebensgefahr und Sebastian Bergmann weiß nicht, wie er das Kind zum Sprechen bringen kann.

Das Mädchen, das verstummte

 

Wie man eine knisternde Spannung erreicht, haben die beiden Autoren aus Schweden gelernt: Michael Hjorth war Story Editor für das schwedische Fernsehen. Er musste Episoden und Handlungen von Serien koordinieren und schrieb Drehbücher zu einigen Krimis von Henning Mankell. Danach tat er sich mit Hans Rosenfeldt, einem schwedischen Schriftsteller, Schauspieler und Moderator, zusammen, mit dem er die Profiler-Serie um Sebastian Bergman entwickelte. An dieser Figur lässt sich gut die Kunst der Charakterzeichnung durch die beiden Krimiautoren zeigen. Sebastian Bergmann ist forensischer Psychologe und einer der besten Profiler im Dienst der schwedischen Polizei, doch er ist ein Frauenheld und ruppig. 2004 verliert er Frau und Tochter bei einem Tsunami in Thailand, was ihn in Depressionen stürzt und seinen Dienst an den Nagel hängen lässt. Jahre lang fragt er sich, ob er am Tod seiner Tochter schuldig ist und wacht nachts mit Alpträumen auf. Als seine Mutter stirbt, kehrt er an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück und seine früheren Kollegen binden ihn wieder mit Bitten und Überredungskunst in ihre Ermittlungen ein. Ein durch und durch ehrlicher und detailliert gezeichneter lebensechter Charakter.

Schon 2010 erschienen die ersten Verfilmungen der Krimiserie. Der Mann, der kein Mörder war, Die Frauen, die er kannte, Die Toten, die niemand vermisst hießen frühere Erfolgsromane des Autoren-Duos. Nicht nur Jonas Jonasson beherrscht die Kunst, mit Titeln, die in einem Relativsatz auslaufen, Bestseller zu kreieren. Das Mädchen, das verstummte ist zwar ein fast 600 Seiten dickes Werk, aber angesichts des Spannungsbogens wird das Buch zum Pageturner, der nicht mehr loslässt.

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