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Wolfsschlucht von Andreas Föhr

wolfsschluchtWolfschlucht von Andreas Föhr ist der sechste Fall des bayerischen Ermittlerduos Leonhardt Kreuthner („Leichen-Leo“, Polizeiwachtmeister) und Clemens Wallner (Kommissar). Die Kripo Miesbach muss wieder rund um den Tegernsee ermitteln – gleich in zwei Fällen. Schnell kommen Zusammenhänge auf zwischen den Fällen der verschwundenen jungen Frau und dem in der Mangfall samt Leichenwagen versunkenen Bestattungsunternehmer. Manche Leser schaffen den 400-Seiten-Krimi in einem Tag, so fesselt sie Andreas Föhr. Nicht nur mit atemloser Spannung, sondern auch mit Humor, denn Leichen-Leos Ideen sind irrwitzig. Manche Kritiker meinen, der Plot des Krimis Wolfsschlucht übertreibe. Er habe so viele außerordentliche Wendungen und Begebenheiten, dass er kaum mehr realistisch sein kann. Dazu kommen Zufälle und mancher dicke Spannungsauftrag. Gleichzeit aber urteilen auch diese Kritiker: Wolfsschlucht „funktioniert“, die Mischung aus Spannung und Humor, aus Lokalkolorit sowie lauten und leisen Tönen fesselt und lässt den Leser nicht zum Atmen kommen. Wer jetzt denkt, hier reiht sich Action an Action, liegt falsch, denn Andreas Föhr behandelt sehr einfühlsam die Probleme seiner Figuren, ob es sich um die Dominanz eines Ehemanns handelt oder Ängste um ein Kind. Das macht den Krimi vielschichtig und bis zum Ende interessant.

Wieder handelt es sich wie bei Der Prinzessinnenmörder, Schafkopf, Karwoche, Schwarze Piste und Totensonntag um einen abgeschlossenen eigenständigen Fall. Nur die privaten Entwicklungen im Leben der Ermittler spannen sich über die Fälle hinweg, doch kann der Leser jederzeit in die Ermittlungen einsteigen, die durch Stefanie Lauberhalm, eine „Hexe“, und Großvater Manfred Unterstützung erfahren. Die Frage, ob es bei der bayerischen Polizei wirklich so zugeht, wie in Wolfsschlucht geschildert, muss dabei erlaubt sein. Zumal sich Leichen-Leo nicht selten am Rand der Legalität oder schon darüber bewegt, während der mitfühlende Kommissar Wallner ihm kontrolliert gegenübersteht, was allein schon reicht, um urkomische Situationen zwischen die Zeilen von Wolfsschlucht zu treiben.

wolfsschluchtDer Allgäuer Andreas Föhr muss über einen fast unbegrenzten Vorrat an krimineller Phantasie, Humor, kuriosen Einfällen und nervenaufreibenden Spannungskurven verfügen, sonst hätte er als Drehbuchautor von Fernsehserien wie Küstenwache, SOKO 5113, In aller Freundschaft, Alarm für Cobra 11, Der Bulle von Tölz, Die Rosenheim-Cops, Der Staatsanwalt oder Ein Fall für zwei kaum Erfolge gefeiert. Dabei begann seine Berufsausbildung völlig langweilig. Nach dem Abitur studierte er in München Rechtswissenschaften und schrieb sogar eine Doktorarbeit über den Copyright-Vermerk. Erst 1991 traute er sich, aus dem juristischen Milieu auszubrechen und den Staub der Aktendeckel mit dem kreativen Entwerfen einfallsreicher Krimis für den Film und die Buchbranche zu tauschen. Vorbilder sind ihm neben deutschen Schriftstellern wie Ludwig Thoma, Andreas Eschbach und Frank Schätzing auch internationale Krimiautoren wie Michael Crichton oder John Grisham. Diese Vorbilder und sein eigenes Genie machten Andreas Föhr in der Zwischenzeit zu einem der bekanntesten deutschen Regionalkrimi-Autoren und brachten ihm sogar die renommierteste deutschsprachige Krimiauszeichnung, den Friedrich-Glauser-Preis, ein.

Um noch einmal auf Wolfsschlucht zu kommen: Der Autor scheint eine unbändige Freude am Schreiben zu haben. Anders kann ich mir das Ende nicht zu erklären. Hier überrascht Andreas Föhr mit einer völlig neuen privaten Konstellation bei „seinem“ Kommissar Wallner. Ausgangspunkt für einen neuen Krimi: Ich freu mich drauf!

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