Das große Los von Meike Winnemuth

Wahrscheinlich wäre ich an Frage sechs gescheitert. „Welches Adjektiv wird durch das Verdrehen zweier Buchstaben ganz populär?“ A: vollschlank B: korpulent C: beleibt D: übergewichtig. Richtige Antwort: C wie beleibt, denn daraus wird durch das Verdrehen zweier Buchstaben das Wort beliebt. Und das entspricht dem Wort populär. Ich musste einige Zeit überlegen, bis ich auf die Lösung kam und bin mir nicht sicher, ob ich im Fernsehstudio vor Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern in meiner Aufregung auf die Lösung gekommen wäre. Meike Winnemuth konnte die Frage am 11. Oktober 2010 in der Quizshow „Wer wird Millionär?“ beantworten. Und nicht nur diese Frage, denn Sie ging als Kandidatin mit 500.000 Euro nach Hause.

Aber warum blogge ich über Meike Winnemuth? Weil sie eine interessante Frau ist. Die 1960 geborene Journalistin sorgt für Aufsehen. Wenn alle Journalisten mit so viel Einsatz wie sie recherchieren würde, bräuchte es wahrscheinlich keine Gegendarstellungen oder Richtigstellungen mehr. Um über den deutschen Sexmarkt zu schreiben, testete sie Callboys, ihr Freund Prostituierte, die beiden gemeinsam Swingerclubs. Die Frau traut sich was!

Symbolbild Das große LosMeike Winnemuth lässt nach dem Gewinn der 500.000 Euro Beruf Beruf sein und reist in zwölf Monaten um die Welt. Jeden Monat lebt sie in einer anderen Stadt und einer anderen Wohnung. Darüber bloggt sie. Und 2012 wird ihr Reiselogbuch „Vor mir die Welt“ für den Grimme Online Award in der Kulturrubrik nominiert. Die LeadAwards 2012 zeichnen den Blog als „Weblog des Jahres“ aus. Aber es kommt noch besser: Meike Winnemuth schreibt ein Buch über ihre Erlebnisse und prompt wird „Das große Los“ zu einem Bestseller. Untertitel: „Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr.“ Der Mediendienst Kress stellt sie als „Topkopf“ vor, sprich, 2014 ist sie in den Top 100 der meistgeklickten Köpfe auf Kress.

Ich kann die Story zu dem Buch „Das große Los“ kaum glauben. Ihr Verlag schreibt, sie sei zu Jauch gegangen, um finanziell ein bisschen unabhängiger zu werden. Gut, man kann immer noch mehr verdienen. Aber hat eine solche Frau es nötig sich zu Jauch zu setzen? Kann man ihr glauben, dass sie ohne journalistischen Zweck in „Wer wird Millionär?“ auftauchte? Zu ihrer Verblüffung räumt sie groß ab, schreibt der Verlag. Hmmm, zu ihrer Verblüffung? Als Journalistin besteht ein Teil ihres Kapitals aus Allgemeinwissen. Dass Sie nicht glaubte, mit ein paar Zehntausenden aus der Sendung zu gehen, ist für mich unglaubhaft. Auch 100.000 Euro sollte eine Journalistin mit Hause nehmen. Bei 500.000 Euro spielt natürlich auch Glück mit, aber Verblüffung?

Jedenfalls fährt sie weg, fühlt sich verpflichtet, etwas Großes anzufangen, etwas Unvergessliches. Und das besteht für sie darin, ein Jahr lang das Leben zu führen, das sie sich selbst aussucht, ohne Kompromisse. Sie folgt der inneren Stimme. Und am 1. Januar 2011 sitzt sie im Flugzeug nach Sydney. Mit einem kleinen Koffer und einem großen Bibbern, wie sie schreibt. „Das Große Los“ nennt sie ihr Buch, weil sie nicht nur das viele Geld gewann, sondern einen noch größeren Glücksfall erlebte: Das große Los! Hier liegt die Betonung auf Los wie Loslassen, hinter sich lassen, sich von Gewohntem lösen und dann sehen, was passiert. Eine Erkenntnis kommt Meike Winnemuth schnell: Den Geldgewinn bei Jauch hätte sie nicht gebraucht, um den Konjunktiv „Ich würde gerne einmal …“ in den Indikativ „Das mache ich jetzt einfach!“ zu verwandeln. Auch ohne Millionen kann man eine Weltreise machen und die große Freiheit erleben.

Das Buch inspiriert. Zum Beispiel Ballast abzuwerfen, eingefahrene Wege zu verlassen und den Alltag hinter sich zu lassen. Aber Vorsicht: Wenn das alles so einfach wäre, würde die Welt von Weltreisenden wimmeln und unsere Städte wären leer. Die meisten Menschen brauchen nämlich einen festen Rahmen, in dem sie sich bewegen. Mit dem großen Los im Sinne von Loslassen können die wenigsten umgehen, denn die vollkommene Freiheit will bewältigt werden.

Wie Meike Winnemuth dieses große Los bewältigte erfahren Sie hier!

Oder auf Ihrem Reise-Weblog!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.