Peter Scholl-Latour

Der Fluch der bösen Tat von Peter Scholl-Latour

Peter Scholl-LatourDer Fluch der bösen Tat. So heißt das jüngste Buch von Peter Scholl-Latour. Erschienen ist es einen Monat nach seinem Tod am 16. August 2014. Kaum ein deutscher Fernsehzuschauer, der den Journalisten und Publizisten nicht aus Talkshows zu politischen Themen kennt. Wegen seiner Eloquenz, seiner Unbestechlichkeit und seiner dem Mainstream konträren Meinung liebte ihn nicht jeder. Der Junge mit jüdischem Familienhintergrund ging in eine jesuitische Ausbildung. Nicht verwunderlich ist, dass die Nazis den 1924 geborenen Abiturienten verhafteten und er 1945 einige Monate in Gestapo-Haft verbrachte. Gleich nach dem Krieg zog es den jungen Mann, der elsässische Vorfahren hatte und deshalb „Latour“, den Mädchennamen seiner Urgroßmutter väterlicherseits, an seinen deutschen Familiennamen hängte, in die französische Armee. Er war Fallschirmjäger in Indochina, bevor er in Mainz und an der Pariser Sorbonne ab 1948 kurz Humanmedizin, dann Philologie und Politik studierte. Damit nicht genug: 1954 promovierte er und von 1956 bis 1958 studierte er in Beirut Arabistik und Islamkunde.

Schon in Studienzeiten schrieb er für deutsche und französische Medien und bereiste Amerika, Afrika, den Vorderen Orient, Südost- und Ostasien. Sein gesammeltes politisches Reisewissen nutzte ab 1963 die ARD, die ihn zum Afrika-Korrespondenten ernannte. Schon bald leitete er das ARD-Studio in Paris und flimmerte immer häufiger über den Bildschirm. Unmöglich, alles aufzuzählen, was Peter Scholl-Latour in dieser Zeit aufgebaut und geleistet hat. 1971 ging er zum ZDF und wurde dort zum Chefkorrespondenten. Überall, wo es krachte oder Konflikte schwelten, sprang Scholl-Latour in den Schützengraben – von Vietnam über Kambodscha, Afghanistan, China oder den Iran. Ayatollah Chomeini, zu dem er guten Kontakt hatte, öffnete ihm Türen zu muslimischen Welten, in die kein westlicher Journalist sonst blicken konnte. 1988 machte sich der allseits gebildete Journalist als freier Autor selbstständig und meldete sich bis zuletzt mit Interviews und Büchern, aber auch als Redner zu Wort.

Scholl-Latours erstes Buch erschien 1961. Titel: Matata am Kongo. Es war ein Politik-Sachbuch wie die mehr als 30 weiteren Werke, die er bis zu seinem Tod schrieb. 1980 erschien mit „Der Tod im Reisfeld“ sein Bestseller über Indochina und die Konflikte dieser Weltregion. Bis zu seinem Tod 2014 soll es das bestverkaufte Sachbuch im Nachkriegsdeutschland gewesen sein.  er Mann, der abwechselnd in Deutschland und Frankreich lebte, war zweimal verheiratet und wurde 90 Jahre alt.  Scholl-Latours Positionen provozierten. Nur ein paar Beispiele: Statt NATO wollte er eine gemeinsame europäische Verteidigung, die EU-Osterweiterung hielt er für zu schnell, die Bundeswehr wollte er mit Nuklearwaffen bestücken und Klimaschutz hielt er für ein Modethema. Im Islam sah er die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts und kritisierte das westliche Verhalten gegenüber muslimischen Staaten. Manche hielten ihm Undifferenziertheit vor  oder glaubten, er schüre Ängste vor überwundenen Feindbildern. Scholl-Latour wurde als „Medienscharlatan“ beschimpft, als verantwortungslos gebranntmarkt und der Verbreitung von Halbwahrheiten bezichtigt. Er sei eitel und doziere Ethno- und Politplattitüden. Trotzdem erhielt der Journalist mit Ecken und Kanten viele Journalisten- und Medienpreise für sein Artikel und Bücher. Nie schwamm er in dem Mainstream westlicher Medien oder gab westliche oder amerikanische Standpunkte wieder.

Der Titel des Buches Der Fluch der bösen Tat bezieht sich auf den Aphorismus des Dichters und Dramatikers Friedrich von Schiller: „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortwährend  immer Böses muss gebären.“ So zu lesen in Wallenstein, Die Piccolomini. Das überträgt Peter Scholl-Latour auf die Länder des Vorderen Orients und die politischen und militärischen Interventionen des Westens in dieser Weltregion. Seiner Meinung nach erliegen wir Westler der umfassenden Desinformation durch Amerika, England und Israel. Klar, dass ihn viele des Antiamerikanismus bezichtigten. Mit seinem letzten Buch versuchte der 90-Jährige die Öffentlichkeit über das zu informieren, was die westlichen Mainstream-Medien verschweigen oder verheimlichen müssen. Es ist nicht falsch, darin eine Abrechnung mit den bösen Taten der Amerikaner und ihrer Verbündeten zu sehen, denn die – so Scholl-Latour – schufen durch ihre Fehleinschätzungen und ihr Verhalten viele der explosiven Probleme, unter denen die Länder zwischen Golf und Levante leiden. Besonders das Verhalten der CIA war himmelschreiend  böse und demütigend und nirgendwo kam die Heuchelei westlicher Diplomatie deutlicher zum Vorschein als in jenen Ländern.

Das, was die Amerikaner und ihre Gefolgsleute im Vorderen Orient erreichen wollten, konterkarierten sie mit ihren Fehleinschätzungen, ihrer Arroganz und Unfähigkeit, sich in die Denkweise einer anderen Kultur einfühlen zu können. Selbst an der deutschen Kanzlerin lässt Scholl-Latour kaum ein gutes Haar. Wer Sichtweisen verträgt, die nicht dem allgemein für wahr Geglaubten folgen, wird das Buch verschlingen – und Scholl-Latours Polemik und bittere Stimme vermissen.

Hier finden Sie das finale Werk von Peter Scholl-Latour und können sich selbst ein Bild von seiner Meinung machen! Sollten Sie weiter in das Denken von Peter Scholl-Latour finden wollen, bieten wir Ihnen hier weitere Bücher von ihm und über ihn!

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