Pilze suchen

Pilze suchen

Gestern unterhielt ich mich mit meinem Bruder am Telefon. Da er krank war, bedauerte er es, nicht Pilze suchen zu können. „Jetzt“, so meinte er, „beginnen sie zu wachsen – und ich kann nicht raus. Schlimm, schlimm.“ Ich glaube ihm, dass er gerne Pilze sammeln würde. Früher dachte ich immer, er riecht die Pilze im Wald. Mit fest auf den Boden gerichtetem Blick suchte er sein Pilzrevier ab. Dagegen war es für mich kein Vergnügen, Pilzarten im Wald zu finden. Egal welche. Als Kinder und Jugendliche gingen wir oft zusammen in den Pilze-Wald. Waldpilze sind einfach zu lecker, um sie stehen zu lassen. Nach zwei, drei Stunden hatte mein Bruder meist einen Korb voll Pilze gesammelt, während bei meinem Korb kaum der Boden mit Pilzen bedeckt war. Speisepilze bestimmen war zudem nicht meine Stärke, so dass mein Bruder oft noch die ein oder andere Pilzart aus meinem Korb warf. „Um Himmels willen, was hast du denn da gesammelt? Willst du unsere Familie vergiften?“

Pilze suchenMein Bruder wäre ein wunderbarer Pilzberater. Ich weiß nicht, wo er Pilze bestimmen gelernt hat. Oder halt, doch: Zu Geburtstagen brauchte man ihm nur einen Pilzführer oder ein Pilzbestimmungsbuch zu schenken und er war glücklich. Er hat eine kleine Pilzbuch-Bibliothek daheim. „Geht Pilzbestimmung nicht besser online?“ wollte ich vor Jahren einmal von ihm wissen. „Bist du verrückt? Oder lebensmüde? Ich vertraue da nur auf meine Pilze-Bücher. Da weiß ich, die Informationen sind seriös und verbrieft. Wenn es um mein Leben als Pilzsammler geht, kommt es mir auf ein paar Euro nicht an.“

An dieses Gespräch musste ich gestern am Telefon denken, als ich mir überlegte, nächstes Wochenende „in die Pilze“ zu gehen, wie mein Bruder immer sagte. Und ich erinnerte mich, dass er mir oft und oft essbare Pilze und ihre giftigen Doppelgänger zeigte, wenn wir unterwegs Röhrlinge, Boviste oder Lammellenpilze fanden. Seit Jahren suchte ich keine Pilze mehr. Aber Pfifferlinge, Steinpilze, Maronen oder Krause Glucke traue ich mir auch heute noch zu von nicht-essbaren oder giftigen Pilzen unterscheiden zu können. Mit dem Sammeln dieser Pilzarten könnte ich wieder anfangen, dachte ich.

Und nachdem wir unser Telefonat beendet hatten, ging mir der Gedanke durch den Kopf, Waldpilze bestimmen kann doch keine Hexerei sein! Was mein Bruder kann, das kann ich doch auch! Nur, so wurde mir klar, muss ich mich mit dem Thema wieder neu beschäftigen. Ein Glück, dass es auch heute noch Markenverlage gibt, die Pilzbücher nicht nur drucken, sondern auch von Pilzfachberatern prüfen lassen. Und wenn ich dann einen guten Pilzführer habe, brauche ich nur noch Pilze zu finden. Vielleicht klappt das heute besser als in meiner Kindheit und Jugend. Ein schönes Pfifferlingsüppchen wär schon ein Genuss! Im Geist roch ich schon den Geschmack der pikanten Speisepilze und schmeckte sie auf der Zunge. Selbst gesammelte Pilze schmecken immer noch besser als die vom Markt …

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